Seit über 110 Jahren gibt es uns schon!

Der Radfahrerverein Neustift e.V.- ältester Radverein Freisings-, blickt auf eine lange und bewegte Vergangenheit zurück. Gegründet im neugeborenen 20. Jahrhundert erlebten die Vereinsmitglieder zwei Weltkriege, Wirtschaftswunder und Ölkrisen, rasante technische Entwicklungen und gesellschaftliche Umstrukturierungen. Das alles spiegelt sich natürlich auch im Vereinsleben wieder. So entwickelte sich der Verein, gegründet von einfachen Arbeitern mit dem Hauptziel der geselligen Ausfahrten, über Einradfahrer-, Radballspieler hin zu einem Verein, in dem sich die verschiedensten Menschen zum gemeinsamen Sport auf dem Zweirad treffen. Egal ob mit Edelrenner, Mountainbike, sportlich ambitioniert oder lässig gemütlich - für jeden ist etwas dabei und die Entwicklung geht weiter.

Gründungsjahre

Der Verein war von Anbeginn eine Organisation der Arbeiter und kleinen Handwerker, die sich nichts anderes leisten konnten als ein Fahrrad. Am 7. April 1900 gründeten 30 Neustifter Bürger den Radfahrer-Verein „Neustift“ und wählten den Kaminkehrermeister Luzius März zum 1. Vorsitzenden. Mittlerweile hat er rund 24 Nachfolger [Vorstandliste].

Die ersten Clubausfahrten in kurzer Hose und Joppe (für stattliche 20 Mark) im Raum Freising wurden getätigt. Bald schon wurde ein erstes Preiscorso beschlossen, zu dem sich 22 Vereine mit 250 Teilnehmern anmelden! Ab 1903 zählten Clubrennen, neben unzähligen Corsofahrten zum festen Veranstaltungsprogramm.

Unsere Standarte wurde zum ersten Mal bei einem Radcorso am 02. Juni 1990 in München mitgeführt. Der gewonnen Preis, ein drei Liter fassender Krug, wurde sogleich in den neuen Mathäserhallen gebührend eingeweiht. Überhaupt war damals neben dem Radsport auch das gesellschaftliche Leben eine tragende Säule des Vereinslebens: vom Preiskegeln, Christbaum- und Silvesterfeiern, Tanzkränzchen bis hin zu Theateraufführungen fanden sich die Mitglieder und deren Ehefrauen und Familien zusammen.

1906 wurde bereits das 100. Mitglied aufgenommen. Doch der erste Weltkrieg hinterließ schmerzlich seine Spuren. Vier Sportkameraden fielen im Krieg. Die meisten wurden einberufen. Das Vereinsleben kam fast zum Erliegen. Noch 1919 wurde auf Wunsch der Mitglieder auf laute Geselligkeiten verzichtet.

Zwischen den Weltkriegen

Ab 1921 aber fanden wieder die ersten Corsofahrten und Radrennen statt. Auch Familienausflüge in die nähere Umgebung, zum Partnerverein Ampermoching oder nach München wurden wieder unternommen. Ebenso Tanz-und Faschingskränzchens mit Musik. In diesem Jahr schloss sich der RVN-Freising der neugeründeten Sektion Freising des Bayrischen Rad- u. Motorradfahrerverbundes an.

Der Verein entwickelte sich. Eine Unterabteilung für Motorradfahrer wurde gegründet. Die Jugendarbeit sollte gezielt gefördert werden. Doch die politische und wirtschaftliche Situation in Europa spitzte sich zu. Auch viele Vereinsmitglieder waren betroffen. So brauchten arbeitslose Mitglieder nur noch die Hälfte der Beträge zahlen oder konnten kostenlos an den Tanzveranstaltungen teilnehmen.

Dennoch machte der Nationalsozialismus auch nicht vor dem RVN halt. Aus der Schlussbemerkung „All Heil“ im Protokoll wurde „Heil Hitler“, später "Sieg Heil" Es wurde der Zwangsanschluss an den Radfahrerverbund angeordnet, was nicht nur eine Verbandsabgabe aus der eh schmalen Vereinskasse zur Folge hatte, sondern auch allerlei andere Zwangsmaßnahmen. So wurde ab 1934 auf höhere Weisung der Saalsport mit Radball sowie Reigen- und Kunstfahren als sportliche Wettbewerbe aufgenommen. Ein Vorstandsmitglied ernannte man zum Kreisgruppenleiter und Delegationen des Deutschen Radfahrerverbandes erschienen als Beobachter. Für eine Stafettenfahrt „Zugspitze – Nürnberg“ musste der Verein sechs Fahrer zwischen Pfaffenhofen und Reichertshausen abstellen, ebenso Absperrpersonal für die Fahrt „Rund um München“.